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Solardachziegel: echte Alternative oder teurer Hingucker?

Solardachziegel verbinden Solarstrom mit unauffälliger Optik. Doch lohnen sie sich wirklich — oder zahlt man vor allem für die Ästhetik? Wie hoch sind die Kosten im Vergleich zur klassischen PV-Anlage, welche Förderungen gibt es noch und für wen sind Solarziegel tatsächlich eine sinnvolle Option? Hier findest du die Antworten.

Benjamin Sowarsch

Benjamin Sowarsch

Experte für Photovoltaik-Planung & Energiemanagement
Mit über 1.500 PV-Planungen und rund 3.500 erstellten Angeboten verfügt Benjamin über umfassende Erfahrung in der technischen Auslegung von Photovoltaikanlagen. Sein Schwerpunkt liegt auf präziser Anlagenplanung, 3D-Modellierung sowie Energiemanagement mit unserem smartY und dynamischen Stromtarifen.

Solardachziegel – das Wichtigste auf einen Blick

Solardachziegel funktionieren genauso wie klassische Photovoltaikmodule, sind optisch aber kaum von normalen Dachpfannen zu unterscheiden. Die Kosten liegen derzeit bei etwa 25 bis 35 Euro pro Stück beziehungsweise 330 bis 420 Euro pro Quadratmeter und damit deutlich über dem Preis einer klassischen Photovoltaikanlage. Solardachziegel kommen vor allem dort zum Einsatz, wo hohe Ästhetik-Ansprüche bestehen oder wo Denkmalschutz klassische Aufdachanlagen verhindert. Die größten Nachteile sind die hohen Anschaffungskosten, der geringere Ertrag im Vergleich zu Standardmodulen und der aufwendige Einbau.

Wie funktionieren Solardachziegel?

Solardachziegel wandeln Sonnenenergie in Strom um, genau wie klassische Solarmodule. Der Unterschied liegt nicht in der Funktion, sondern in der Optik. Da Solarziegel äußerlich kaum von normalen Dachpfannen zu unterscheiden sind, lassen sie sich besonders unauffällig ins Gesamtbild des Hauses integrieren. Das macht diese Art der Solartechnik vor allem für Hausbesitzer*innen interessant, denen Ästhetik besonders wichtig ist.

Ein zentraler Nachteil der Solarziegel ist allerdings ihre geringere Effizienz. Kleinformatige Solardachziegel erreichen laut Fraunhofer ISE einen Modulwirkungsgrad von etwa 10 bis 13 Prozent. Moderne monokristalline Solarmodule liegen dagegen bei 20 bis 24 Prozent. In der Praxis bedeutet das: Pro Quadratmeter erzeugen Solarziegel spürbar weniger Strom als herkömmliche Module. Je nach Hersteller und Ziegelformat liegt die Leistungsdichte bei 120 bis knapp 200 Wp/m², während klassische Aufdach-Solarmodule 200 bis 220 Wp/m² erreichen (August 2025).

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Was kosten Solardachziegel?

Solarziegel sind im Vergleich zu klassischen PV-Modulen deutlich teurer. Die Gesamtkosten hängen dabei auch davon ab, ob bestehende Dachziegel vorher entfernt werden müssen.

Investitionskosten

Ein einzelner Solardachziegel kostet derzeit zwischen 25 und 35 Euro inklusive Montage. Pro Quadratmeter Dachfläche werden 11 bis 14 Ziegel benötigt, was einem Quadratmeterpreis von 330 bis 420 Euro entspricht. Für eine 7-kWp-Anlage aus Solardachziegeln werden knapp 50 Quadratmeter Dachfläche und rund 700 Solarziegel benötigt. Bei einem Ziegelpreis von durchschnittlich 30 Euro kommt man auf Gesamtkosten von etwa 21.000 Euro.

Eine klassische PV-Anlage mit 7 kWp kostet im Vergleich ohne Speicher rund 8.500 bis 11.500 Euro. Das Kosten-Leistungs-Verhältnis von Solardachziegeln liegt bei rund 2.000 bis 3.500 Euro pro kWp gegenüber 1.200 bis 1.700 Euro pro kWp für klassische Aufdachanlagen. Der Mehrpreis für die Optik ist also erheblich.

Solardachziegel im Bestandsbau

Wer Solardachziegel auf einem Bestandsgebäude installieren möchte, muss zunächst die alten Dachpfannen entfernen lassen. Dieser Mehraufwand schlägt mit zusätzlichen 1.500 bis 2.000 Euro zu Buche. Gerade im Bestandsbau lohnt sich deshalb ein besonders genauer Kostenvergleich mit klassischen Alternativen.

Werden Solardachziegel gefördert?

Für Solardachziegel gibt es keine direkten Zuschüsse. Trotzdem hast du als Hausbesitzer*in mehrere Möglichkeiten, Unterstützung zu erhalten.

Zum einen fördert das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) Einzelmaßnahmen an Bestandsgebäuden, die zur Energieeffizienz beitragen, im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG EM). Der Grundfördersatz beträgt 15 Prozent, mit iSFP-Bonus bis zu 20 Prozent, allerdings nur für den Gebäudehüllen-Anteil der Dachsanierung. Der reine PV-Teil der Solardachziegel ist nicht BEG-förderfähig.

Zum anderen bietet die KfW mit dem Programm 270 zinsgünstige Kredite zur Finanzierung von Photovoltaikanlagen, die auch Solardachziegel einschließen. Der Kredit kann bis zu 100 Prozent der Investitionskosten abdecken. Darüber hinaus gilt für Solardachziegel seit 2023 der Nullsteuersatz bei der Mehrwertsteuer — genau wie für klassische PV-Anlagen bis 30 kWp.

Auch die Einspeisevergütung steht dir als Betreiber*in von Solarziegeln zu. Für Anlagen bis 10 kWp beträgt sie seit dem 01.08.2025 bei Teileinspeisung 7,86 Cent pro kWh. Da die Vergütung halbjährlich um ein Prozent sinkt, kompensiert sie die hohen Mehrkosten von Solarziegel-Anlagen nur begrenzt. Wer sich den aktuellen Satz für 20 Jahre sichern will, sollte nicht zu lange warten.

Vor- und Nachteile von Solardachziegeln

Die Mehrkosten gegenüber einer klassischen Aufdachanlage sind erheblich. Trotzdem gibt es Argumente, die für Solarziegel sprechen, wenn man in der richtigen Situation ist.

Die Vorteile: Optik, Flexibilität und Denkmalschutz

Der größte Pluspunkt der Solardachziegel ist ihre zurückhaltende Optik. Dazu kommen zwei weitere Stärken: Solardachziegel lassen sich auf besonders schrägen oder verwinkelten Dächern installieren, bei denen klassische Module nicht ausreichend Ertrag erwirtschaften würden. Und sie erfüllen die Anforderungen denkmalgeschützter Gebäude. Dort sind sie oft die einzige Möglichkeit, überhaupt Solarstrom zu erzeugen. In mehreren Bundesländern, zum Beispiel Berlin, kann das auch relevant werden, um eine Solardachpflicht bei denkmalgeschützten Gebäuden zu erfüllen.

Die Nachteile: Kosten, Ertrag und Installationsaufwand

Das schlechte Kosten-Leistungs-Verhältnis ist der größte Kritikpunkt. Bei gleicher Sonneneinstrahlung produzieren Solarziegel je nach Hersteller deutlich weniger Strom als herkömmliche Solarmodule. Bei kleinformatigen Varianten ist der Wert bis zu 50 Prozent weniger pro Quadratmeter. Wer eine bestimmte Anlagenleistung erreichen will, braucht deshalb spürbar mehr Dachfläche.

Die Installation ist aufwendiger als bei klassischen Modulen, weil jeder einzelne Ziegel separat verkabelt wird. Handwerksbetriebe stellen diesen Mehraufwand in Rechnung. Wegen der vielen Steckverbindungen sind Solarziegel anfälliger für Fehler. Die Fehlersuche ist dementsprechend auch zeitintensiver. Für Flachdächer kommen Solarziegel ohnehin nicht infrage; eine Dachneigung von mindestens 15 Grad gilt als Voraussetzung, besser sind 22 bis 25 Grad.

Vorteile Nachteile
Ansprechende Optik, kaum von normalen Ziegeln zu unterscheiden Sehr hohe Kosten: 2.000–3.500 Euro pro kWp (Stand August 2025)
Geeignet für schräge und verwinkelte Dächer Deutlich geringerer Ertrag als klassische Solarmodule
Erfüllt Anforderungen denkmalgeschützter Gebäude Aufwendige Installation, höhere Montagekosten
Nullsteuersatz auf Mehrwertsteuer (seit 2023) Zusätzliche Kosten im Bestandsbau möglich

 

Hersteller von Solardachziegeln

Zu den aktuell aktiven Herstellern auf dem deutschen Markt zählen Nelskamp, BMI Braas, SolteQ und paXos. Dazu kommen internationale Anbieter wie der Newcomer Jackery, der in diesem Jahr mit gebogenen PV-Dachziegeln auf den deutschen Markt gekommen ist. Das Tesla Solar Roof ist in Deutschland bislang nicht regulär erhältlich; Berichten zufolge hat Tesla die Produktion zuletzt deutlich zurückgefahren. Wer sich für Solarziegel interessiert, sollte die Bonität des jeweiligen Herstellers und die Absicherung von Garantien genau prüfen. Der Markt ist klein und langfristige Herstellergarantien sind kein Selbstläufer.

Solardachziegel oder Aufdach-Solarmodule?

Beide Technologien erzeugen emissionsfreien Strom und tragen zur nachhaltigen Energieversorgung bei. Aus wirtschaftlicher Sicht gibt es aber einen klaren Gewinner: Klassische Aufdach-Solaranlagen sind günstiger und amortisieren sich schneller. Wer möglichst wirtschaftlich von seiner PV-Anlage profitieren möchte, sollte auf ein klassisches Aufdachsystem setzen.

Wem Optik wichtiger ist als Wirtschaftlichkeit, kann Solarziegel in Betracht ziehen. Allerdings gibt es seit einigen Jahren Full-Black-Solarmodule, die optisch ähnlich unauffällig sind wie Solarziegel bei deutlich niedrigerem Preis und besserem Wirkungsgrad. Für die meisten Haushalte sind Full-Black-Module die klügere Wahl, wenn es um Ästhetik geht. Wirklich sinnvoll sind Solarziegel eigentlich nur bei denkmalgeschützten Gebäuden oder besonders verwinkelten Dächern, wo keine andere Lösung funktioniert.

Solardachziegel Aufdach-Solaranlage
Leistung 7 kWp 7 kWp
Benötigte Dachfläche ca. 50 m² ca. 35–43 m²
Kosten pro kWp (Stand 2026) 2.000–3.500 € ca. 1.200–1.700 €
Gesamtkosten (7 kWp) ca. 21.000 € ca. 8.500–11.500 €
Jährlicher Solarertrag ca. 5.500 kWh ca. 7.000 kWh

 

Indach-Solarmodule als Mittelweg?

Ein beliebter Mittelweg zwischen Solardachziegeln und klassischen Aufdachanlagen sind Indach-Solaranlagen. Diese bestehen aus größeren, zusammenhängenden Solarmodulen, die direkt ins Hausdach eingelassen werden, ohne zusätzliche Unterkonstruktion. Optisch sind sie fast genauso unauffällig wie Solarziegel, aber deutlich effizienter.

Bei den Kosten kommt es auf den Montageaufwand an. Wer das Dach ohnehin neu eindecken will, zahlt für eine Indach-Lösung rund 20 bis 30 Prozent mehr als für eine klassische Aufdachanlage statt der doppelten bis dreifachen Kosten wie bei Solarziegeln. Das macht Indach-Systeme wirtschaftlich deutlich attraktiver. Ein Nachteil: Bei Indach-Solaranlagen kann es immer wieder zu Undichtigkeiten im Hausdach kommen, was langfristig zusätzliche Kosten verursachen kann.

Fazit: Lohnen sich Solardachziegel?

Solardachziegel, Indach- und Aufdach-Solaranlage — jede Form der eigenen Solarstromerzeugung ist grundsätzlich eine gute Investition für dich und die Umwelt. Welche Technologie die richtige Wahl ist, hängt von deinen Prioritäten ab.

Aus rein wirtschaftlicher Sicht führt kein Weg an der klassischen Aufdach-PV-Anlage vorbei. Sie kostet deutlich weniger, liefert mehr Strom und amortisiert sich schneller. Wer Ästhetik in den Vordergrund stellt, findet mit Full-Black-Solarmodulen eine optisch ansprechende und zugleich wirtschaftliche Alternative zu Solarziegeln. Tatsächlich sinnvoll sind Solarziegel in zwei Szenarien: beim denkmalgeschützten Haus, wo klassische Aufdachanlagen oft nicht genehmigt werden, und beim besonders verwinkelten Dach, auf dem normale Module keinen ausreichenden Ertrag bringen. In allen anderen Fällen solltest du das Budget lieber in eine gut dimensionierte Aufdachanlage mit Batteriespeicher investieren.

Häufige Fragen zu Solardachziegeln

Was kosten Solardachziegel?

Ein einzelner Solardachziegel kostet zwischen 25 und 35 Euro inklusive Montage, was einem Quadratmeterpreis von rund 330 bis 420 Euro entspricht. Für eine 7-kWp-Anlage auf einem Einfamilienhaus musst du mit Gesamtkosten von etwa 21.000 Euro rechnen, gegenüber 8.500 bis 11.500 Euro für eine klassische Aufdachanlage gleicher Leistung. Der Kostenunterschied ist erheblich.

Werden Solardachziegel staatlich gefördert?

Direkte Zuschüsse gibt es nicht. Allerdings profitieren Solardachziegel vom Nullsteuersatz bei der Mehrwertsteuer (seit 2023), von zinsgünstigen KfW-Krediten über das Programm 270 sowie von der EEG-Einspeisevergütung. Bei kombinierter Dachsanierung kann der Gebäudehüllen-Anteil über die BEG EM mit 15 bis 20 Prozent bezuschusst werden. Der PV-Anteil selbst ist aber nicht BEG-förderfähig.

Wie hoch ist die Einspeisevergütung für Solarziegel?

Für Solardachziegel gilt dieselbe Einspeisevergütung wie für jede andere PV-Anlage. Bei Anlagen bis 10 kWp beträgt sie bei Teileinspeisung 7,86 Cent pro kWh (Stand 01.08.2025). Der einmalig bei Inbetriebnahme gültige Satz wird für 20 Jahre festgeschrieben.

Für wen lohnen sich Solardachziegel wirklich?

Wirtschaftlich sinnvoll sind Solardachziegel nur in Sonderfällen: bei denkmalgeschützten Gebäuden, wo klassische Module baurechtlich nicht erlaubt sind, sowie bei besonders verwinkelten oder schrägen Dächern, auf denen eine Standardanlage keinen ausreichenden Ertrag liefert. Wer lediglich eine optisch ansprechende PV-Anlage möchte, fährt mit Full-Black-Modulen oder einer Indach-Anlage günstiger und effizienter.